Bildhauer-Atelier, Darmstadt

Bildhauer-Atelier, Darmstadt

D-64285 Darmstadt, 1996

Das Atelier als einfacher Kubus bietet einen ruhigen und sachlichen Raum für die künstlerische Arbeit der Bild­hauerin. Das Rot des Baukörpers als Komplementärfarbe zum Grün des parkähnlichen Gartens läßt beides zu einer harmonischen Einheit werden. Getragen nur von einzelnen Punktfundamenten steht das Atelier losgelöst vom bestehenden Wohnhaus, angebunden nur mit einem überdachten Gang und einem niedrigen Zwischenbau.

Im Inneren sind zwei Drittel des Raumes 4,80 m hoch, haben geschlossene Wände, Licht von oben und öffnen sich seitlich über die Süd­westecke dem Garten. Im hinteren Teil ist eine zweite Ebene eingezogen, als Rück­zugsbereich (Archiv, Bibliothek) mit niedrigen Raumhöhen. Der Raum ist mit fest eingebauten Möbeln unterteilt: Elemente wie Wand, Treppe und Geländer sind als Regale, Ablagen und Schränke ausgeführt. Details, Oberflächen und Farbgebung sind zurückhaltend gestaltet, z.B. flächenbündige Türen, Lichtschienen, Sockel- und Bilderleisten; Schattenfugen statt Deckleisten; unsichtbare Druckschnäpper an Schranktüren.

Für eine möglichst kurze Bauzeit wurden Bodenplatte, Wände und Dach aus mit Sperrholz beplankten Holzrahmenelementen größtenteils vorgefertigt. Die Vorfertigung der Holzrahmenelemente und der Fenster erfolgte parallel zu den Fundamentierungsarbeiten. Zum Richtfest war der Rohbau dicht, und der Ausbau konnte von allen Seiten über den Winter fortgesetzt werden, ohne dass die Gewerke sich gegenseitig störten.

Die Dachelemente aus Holz-Stegträgern spannen frei über 6 m. Die Boden­plattenelemente wurden für eine geringe Deckenstärke zwischen hochtrag­fähigen Furnierstreifen PARALLAM-holzträgern eingehängt, die auf Punktfundamenten befestigt sind. Die Hohlräume der waagrechten Deckenplatten sind mit Zellulosedämmschüttung in voller Trägerhöhe ausgefüllt worden. Die Außenwände wurden von innen mit Leichtlehmsteinen (2DF von der Firma Claytec) hochkant in einer arbeitssparenden Stapeltechnik auf Lehmmörtel-Lagerfugen ausgestapelt und innen mit Lehmmörtel verputzt. Von außen sind sie mit Schilfrohrplatten gedämmt, die 2-lagig aufgeschraubt ebenfalls verputzt wurden. Die verputzte innere Ausmauerung dient einer besseren Wärmespeicherung, Schalldämmung und problemloser Winddichtung, ohne Dampfsperren.

Es wurden weitgehend Baustoffe aus nachwachsenden oder recycelbaren Rohstoffen (Holz, Schilf, Stroh-, Baumwolle- und Zellulosefasern), sowie luft­getrock­neter Lehm eingesetzt. Der ökologische Baustoff Lehm hat im Zusammenhang mit Holz eine lange Tradition, seine günstigen bauphysikalischen Eigenschaften halten das Holz trocken und sorgen in einer sonst leichten Holzkonstruktion für Speichermasse.

Der Bau wurde mit der Joseph-Maria-Olbrich-Plakette 1998 und einer Anerkennung beim Holzbaupreis Hessen 1999 ausgezeichnet.

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