Fachwerksanierung, Mörfelden

Fachwerksanierung, Mörfelden

D-64546 Mörfelden-Walldorf, 1999

Durch die Instandsetzung von zwei sehr vewahrlosten barocken Fachwerkhäusern im Ortskern von Mörfelden konnte der historische Charakter des Ortes deutlich aufgewertet werden. Die neue Nutzungen, eine Beratungsstelle mit betreutem Wohnen und geselligen Veranstaltungen, sowie ein dem städtischen Museum ange­gliedertes Archiv mit kleiner Bibliothek tragen heute zur Belebung des Ortes bei.

Die Instandsetzung basierte auf einer detaillierten Bestandsaufnahme und restauratorischen Untersuchungen. Die ursprünglichen Sichtfachwerkfassungen sind wieder hergestellt worden, und konnten teilweise »rückgebaut« werden anhand der Lage der alten Zapflöcher.

Sehr stark beschädigte bzw. zerstörte Bereiche beider Häuser mussten völlig neu errichtet werden u.a. der Anbau vom Haus Eilberg (Nr. 44) und die West- und Nordfassade vom Haus Schneiker (Nr. 43). Hier wurde kein rekonstruiertes Fachwerk errichtet sondern mit zeitgemäßen Baumaterialien schlicht und in denselben Proportionen neu gebaut.

Bei beiden Grundstücken wurden die Hofsitu­ationen als wichtige Außenräume für Aktivitäten wieder hergestellt. Die gestalterische Absicht beschränkt sich hier bewusst auf die traditionellen Elemente wie Mauer, Hoftor, Kopfsteinpflaster, ein kronebildender Baum, Bank und einem wieder gefundenen Brunnen.

Wo häufig Fachwerkgebäude voll­ständig entkernt werden, wurde hier versucht, so viel wie möglich zu erhalten, zu er­­­g­än­zen, zu reparieren. Die alten Fachwerk­ausmauerungen, Lehmwickeldecken, Lehm- und Kalk-lnnenputze sind – mit ihren Unebenheiten – überwiegend erhalten geblieben. Ausgebaute Teile wurden wieder verwendet, neue Materialien dem Befund ent­sprechend ergänzt: Biberschwanzdeckung (Korbbogen), Fachwerk repariert mit Altholz aus Eiche, breite Dielenbretter aufgearbeitet und ergänzt, Bruchstein, Ziegelplatten, Lehmbaustoffe und Kalkputze mit Kalkkasein-Farben verwendet. Die alten Lehmgefache aus Strohlehm auf Flechtwerk wurden liebevoll ausgebessert und erneuert, der Lehm­unterputz anschließend wie früher mit Kamm­strichen für eine gute Haftung des Kalkputzes vor­bereitet.

Die nur fachwerkstarken Außenwände wurden innen durch eine 15cm starke Vorsatzschale aus Holzleichtlehm nachträglich gedämmt. Die Lehmplatten innen dienten dabei als verlorene Schalung.

Der neugebaute Anbau am Haus Eilberg wurde in elementierter Holzrahmen­bauweise mit Zellulose Dämmung und modernen Lehmausfachungen in Trocken­bau-Stapeltechnik errichtet. Niedrigenergiestandard wurde erreicht.

Die Gebäude erhielten die Auszeich­nung »Vorbildlicher Bauten im Land Hessen 1999«.

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