Freie Waldorfschule Weimar

Freie Waldorfschule Weimar

D-99423 Weimar, 1999

In historischen Fabrikgebäuden und ergänzenden Neubauten ist heute die Oberstufe der Freien Waldorfschule Weimar untergebracht. Die Lage am Fluß mit ihren einzelnen Häusern ist als besondere Charakteristik des Ortes aufgenommen und verstanden worden. Der Lehmbau, der in der Region viele historische Wurzeln hat, wurde im Zusammenhang mit einer raumklimatisch günstigen Wandheizung bewußt wieder eingesetzt.

Im Bauvorhaben selbst sind vorwiegend baubio­log­­isch unbedenkliche Material­ien verwendet worden, denn es war ein Ziel der Bauaufgabe, eine dem Menschen gemäße Architektur zu schaffen, die sich in Form und Farbe mit den Impulsen der Waldorfschule verbinden kann. So hat es sich gefügt, daß jene Gebäude – in denen in der Vergangenheit Gebräue hergestellt wurden, die eher dazu geeignet waren, die Köpfe zu vernebeln – gegenwärtig eine neue Hülle bilden können für das Bemühen, jungen Menschen ›klare Köpfe‹ aufzusetzen.

Die Schulbaurichtlinie fordert eine feuer­beständige Trag- und Deckenkonstruktion für mehrgeschossige Schulbauten. Deshalb dient ein Stahlbetonskelett als Tragwerk, damit die nichttragenden Wandteile in Stampflehm ausgeführt werden können. Zwischen den Betonstützen wurden im Abstand von 70 cm raumhoch Leitern aus Dachlatten in der jeweiligen Wandstärke als nichttragendes Gerüst errichtet, das gleichzeitig als Gleithilfe für die Kletterschalung diente. Schichtweise wurde der Lehm in der Schalung aufgestampft.

Für die Verbesserung der Wärmedämmung ist bei den Außenwänden ein mineralischer Leichtlehm (Lehm, Muschelkalksand, Blähschiefer, Hobelspäne, Weizenstroh – biologisch angebaut) mit einer Rohdichte von 650-700 kg/m³ (30 dB) verwendet worden.

Die Innenwände wurden aufgrund der Schallschutzanforderung aus Schwerlehm mit einer Rohdichte von ca. 1600 kg/m³ (> 47 dB) hergestellt. Die Lieferung des Baustoffes Lehm erfolgte aus der Region Thüringen.

Für einen weiteren Bauabschnitt, der zwei Einzeldenkmale als Fachwerkhäuser einschließt, soll Lehm innen vor das Fachwerk in mindestens 20 cm Stärke gestampft werden, zur Verbesserung der Wärmedämmung und Speicherfähigkeit.

Im Inneren wurde eine Wandheizung verwendet. Neben der guten Trocken­haltung der Wandbaustoffe wird eine hohe Behaglichkeit durch die Strahl­ungs­­­­wärme der eingebauten Wand­temperierung erzielt. Luft- und Staub­­­­verwirbel­­ungen und der be­kannte ›trockene-Nase-Effekt‹, der zunehm­end mit Allergien einhergeht, werden dadurch vermieden.

Die Heizleitungen werden an der Rauminnenseite der kältesten Bauteile verlegt und eingeputzt. Dem Menschen wird dadurch keine zusätzliche Wärme entzogen. Die Raumtemperatur kann unter 20°C abgesenkt werden und Energie wird gespart. Wird die Rohrlänge erhöht, kann diese Art Heizung als Niedertemperatur-Warmwasserheizung betrieben werden, die sich auch für den Einsatz von Sonnenkollektoren eignet.

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