Infozentrum Wangeliner Garten

Infozentrum Wangeliner Garten

D-19395 Wangelin, 2001

Das Gebäude ist in gewisser Hinsicht ein Produkt seines Standortes, was seine Funktion als Informationszentrum des Lehrgartens in Wangelin und Versammlungsraum der Gemeinde unterstreicht.

Das Infozentrum entstand unter Verwendung ganzer Gebäudeteile und Bauteile von vorhandenen Gebäuden aus dem Ort und der Nachbarschaft z. B. ein Gewächshaus der LPG, ungenutzte Dreiecksdachbinder und Backsteine aus Abrissen. Aus dem Garten und der Umgebung wurde Lehmboden als Rohmaterial für die benötigten Lehmbaustoffe entnommen sowie komplette Stücke abgestochener Wiesen für das Gründach. Nicht zuletzt war es ein erklärtes Anliegen mit einem einfachen Baukonzept, möglichst viele Arbeitsressourcen der ländlichen Bevölkerung zu nutzen. So ist das Gebäude zugleich selbst ein Recycling­produkt und ein integrales Stück der umgebenden Natur. Dennoch ist es in seiner architektonischen Form erkennbar neu und scheut sich nicht aktuelle Technologien einzusetzen.

Aus dem Geborgenen entstand eine Kombination aus einer einfachen Ständerkonstruktion mit begrüntem Pultdach und vorgestelltem Glashaus. Ein neuer massiver Kern im Inneren mit umgebender Stampflehmwand beherbergt die Nassräume. Die drei prägenden Elemente Ständerbau, Glashaus und Gründach, sowie der dreigliedrige Grundriss Kernhaus, Empfangsraum, Glashaus sind Ieicht ablesbar und fügen sich in den Garten ein.

Für den Bau wurden zwei Haupteigenschaften des Lehms ausgenutzt: Klebefähigkeit und Schwere. Das Ständerwerk der Außenwände wurde mit örtlich gefertigtem Holzleichtlehm gefüllt, ein klebriges Gemisch aus ⅓  Lehm und ⅔ Hackschnitzel aus Schredderholz. Dies wurde innen 2-lagig mit Lehm verputzt, die obere Feinputzschicht aus durchgefärbtem Lehm.

In verdichteter Form wurde auch ein Lehm-Ziegelsplitt Gemisch für die massiv gestampften Innenwände verwendet sowie für Teilflächen als Fußboden. Die Lehmvorsatzschale an den Süd und West Seiten des Haupthauses wirken durch ihre Masse als Wärmespeicher zwischen dem Glashaus und Empfangsraum. Um den inneren Kern der Nassräume herum wirken die Stampflehmwände zudem feuchtigkeitsregulierend. Durch das Einarbeiten von horizontalen und schrägen Kalklagen wurde eine optische Betonung der Schichtung des Stampflehms erreicht und gleichzeitig Trockenschwinden ausgeglichen, da der Kalk langsamer als Lehm trocknet.

Der größte Teil der Baustoffe wurde selbst gefertigt und stammt aus Produkt­ionsgängen vor Ort, welche später nach Gebrauch in den Naturkreislauf zurückkehren können. Die Konstruktion wurde so vorgenommen, dass Herstellung und Montage durch Nicht-Fachleute ermöglicht wurde.

Die Beheizung erfolgt über einen mit Holz befeuerten Warmluftofen, der wie eine Skulptur gestaltet und mit einer Brennwertgasheizung kombiniert wurde. Die Sitzbänke werden mit Rauchgasen erwärmt. Für die Warmwasserbereitung sind Flachbettkollektoren vorgesehen. Halbtransparente Photovoltaik Solarzellen sind im Dach des Glashauses integriert.

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