Umweltfreundliches Ärztehaus, Waldbröl

Umweltfreundliches Ärztehaus, Waldbröl

D-51545 Waldbröl, 2001

»Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Umwelt, die ein höchstmögliches Maß an Gesundheit und Wohlbefinden er­­mög­licht.« So heißt es in der Europäischen Charta für Umwelt und Gesundheit, die 1989 verabschiedet wurde. Doch die Realität sieht anders aus: Erkrankungen, die auf Umweltbelastungen zurückgeführt oder mit ihnen in Zusammenhang gebracht werden, nehmen zu.

Auf diesem Hintergrund entstand ein Ärztehaus mit 4 Praxen im Zentrum von Waldbröl, welches Ende des Jahres 2001 bezugsfertig wurde. Die Bauweise des Gebäudes kann flexibel auf die Bedürfnisse von Generationen reagieren und entspricht dem heutigen Stand der Technik – in Form von Zukunftstechnik.

Ein Gebäude, das ökologisches Bauen sichtbar und erlebbar macht. Sowohl Nutzer als auch Besucher (Patienten) finden ein Umfeld im Sinne der Einleitung vor. Der Verbrauch an Ressourcen und Energie für das Gebäude ist sowohl im Hinblick auf die Erstellung als auch auf den Betrieb hin minimiert – Passivhaus-Standard ist erreicht. Die aktive Energieversorgung erfolgt mit erneuerbaren Energien.

Das Gebäude ist auf mögliche Nutzungsänderungen und Erweiterungsmöglichkeiten hin optimiert, um flexibel auf alterungsbedingte Anpassung, Veränderungsmöglichkeiten & Nutzungsangleichungen reagieren zu können. Keine Zerstörung von Decken, Wänden oder Fußböden durch Anpassung an den tech­nischen Fortschritt, insbesondere der Gebäudetechnik, ist dazu notwendig.

Die Gebäudekonstruktion basiert auf einer Stahlbeton-Rahmenkonstruktion, umhüllt von hoch­wärmegedämmten Holzrahmenelementen. Holz wurde auf vielfältige Weise im Gebäude eingesetzt, nicht nur für die Außenfassade und Dach. Formaldehydfreie Holzwerkstoffplatten sind für tragende Konstruktionen verwendet worden, Holzweichfaserplatten sind als Putzträger und Wärmedämmung (neben Zellulosedäm­mung) eingesetzt, und Türen, Fenster und Parkettböden sind ebenfalls aus Holz.

Beim Ausbau wurden aber auch massive Bauteile zur Energiespeicherung verwendet. Lehmbauplatten und Lehmputz wurden für die Innenverkleidung der Außenfassade wie auch für die Innentrennwände zur langfristigen Stabilisierung des Raumklimas und eines besseren Schallschutzes verwendet. Installations- und Lüftungskanäle wurden mit Vollholzbrettern verkleidet und im Raum sichtbar gelassen. Oberflächen sind mit diffusionsoffenen Lasuren und Wandfarben auf natürlicher, recycelbarer Basis behandelt oder mit natürlich eingefärbten Lehm verputzt.

Der Passivhausstandard wird im wesent­lichen erreicht durch die hochwärmegedämmte Hüllfläche und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Lüft­ungs­anlage sorgt permanent für einen hygienischen Luftwechsel. Der Wärme­inhalt der Abluft wird über einen Wärmetauscher zurückgewonnen, um die Zuluft hiermit zu erwärmen. Die Außenluft wird über einen Erdreichwärmetauscher angesaugt, um eine Vorerwärmung im Winter sowie eine Vorkühlung im Sommer zu erreichen. Auf statische Heizflächen wurde nicht verzichtet, um unterschiedlich temperierte Zonen zu ermöglichen und die Beheizung unabhängig von der Lüftung zu gewährleisten.

Die aktive Energieversorgung erfolgt aus­schließlich mit regenerativen Energien. Hierzu ist eine solarthermische Kollektor­anlage zur Bereitung von Warmwasser und teilsolarem Heizen eingebaut. Der Restwärmebedarf erfolgt dann über eine Holzpelletsheizung. Der Bedarf an Elektrizität wird im Wesentlichen durch eine Foto­voltaikanlage gedeckt.

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