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    • CommentAuthorurgestein CommentAuthorRole DVL
    • CommentTime8. Jan 2008 bearbeitet
     

    Am 7. Dezember 2007 war es wieder soweit. Absolventen des Fachkraft Lehmbau Weiterbildungkurses waren von unserem Verband nach Weimar eingeladen worden zu einem Treffen. Elf waren gekommen. Zu den Teilnehmern gehörten dann noch die Dozenten Uli Roehlen und Dr. Christof Ziegert, sowie Stephan Jörchl vom Geschäftsführenden Sekretariat, der die Organisation bestens vorbereitet hat und Hannah Schreckenbach, die zwei Vorträge hielt.

    Es war ziemlich nasskalt, aber hat sich dann im Laufe des Tages aufgeklärt. Einige Sonnenstrahlen verschönerten die winterliche Stimmung. Wir trafen uns am Morgen zunächst in der Mensa der Bauhaus Universität, wo Dr. Horst Schroeder, der Vorsitzende des Dachverbandes, die Teilnehmer begrüßte. Danach ging es zur Baustelle des Prellerhauses, das zum UNESCO-Weltkulturerbe des Bauhausensembles in Weimar gehört. Die dort im Rahmen einer Sanierung durchgeführten Lehmarbeiten (meistens Putze) wurden besichtigt und recht kritisch unter die Lupe genommen. Nicht alles entsprach dabei den Vorstellungen, bzw. Erfahrungen der vertretenen Lehmbaupraktiker.

    Dann spazierten wir durch das weihnachtlich geschmückte Weimar bis zum Tagungsort im Neubau der Geotechnik. Unterwegs ging es quer durch den sehr schönen Weihnachtsmarkt. Im historischen Teil des Marktes lud die erste Glühweinbar zum Aufwärmen, bzw. Erfrischen ein. Der Dorfschmied konnte bei seiner Arbeit bewundert werden, und auch die Bäckereien und der Steinmetz nebenan. Düfte von Vanille, Zimt und Knoblauch waberten durch die Luft und begleiteten uns bei unserer Wanderung. Im Tagungsort standen Kaffee, Wasser und diverse Säfte bereit. Nachmittags gab es dazu dann noch herrlichen Kuchen!

    Uli Roehlen begann die Vortragsreihe mit der Beschreibung der Änderungen in den Lehmbau Regeln bei deren Überarbeitung als Grundlage für das Lehmbauhandwerk. Dabei wurde der gegenwärtige Stand der „Wanderung durch die Instanzen“ für die offizielle Annahme der Änderungen bis zum Druck einer Neuauflage der Regeln erklärt. Grundsätzlich wurde die Überarbeitung der Regeln von den Absolventen begrüßt. Stellenweise wurde der Kontext der Änderungen hinterfragt, z.B. ob demnächst nun jeder Baustellenlehm überprüft werden müsse. Uli Roehlen konnte diese Frage verneinen, da die Kennzeichnungspflicht nach den neuen Regeln in dieser Hinsicht nur für industriell vorgefertigte Produkte (sogenannte Sackware, Fertigputze, usw.) gilt.

    In der Mittagspause ging es wieder in Richtung Weihnachtsmarkt in der Altstadt, wo etliche „Fressbuden“ mit einheimischen und exotischen Spezialitäten, sowie jede Menge Restaurants zum Essen einluden (auf gebratenen Fasan musste man dann allerdings ein Weilchen warten…).
    Nach der Mittagspause stellte Hannah Schreckenbach die Ergebnisse der im September und Oktober durchgeführten Evaluierung der letzten drei FKL Kurse vor. In der Zwischenzeit war vom Vorstand ein satzungsgemäßer Fachbeirat benannt worden, dessen Aufgaben die Umsetzung der Evaluierungsempfehlungen sind und die weitere, auswertende Begleitung der folgenden Kurse bis zur nächsten Evaluierung in drei Jahren. Die Absolventen begrüßten die Evaluierung und Schlussfolgerungen daraus.

    Georg Hofer bietet sich als weiterer Praxisdozent an und auch seine technische Unterstützung bei den Praxisbaustellen. Karl-Joseph Weber vom Kompetenzzentrum in Biberach, Veranstalter des nächsten FKL im Frühjahr 2008, wird sich diesbezüglich mit ihm in Verbindung setzen. Es wird angeregt, einzelne Zusatzmodule, sogenannte Spezial- oder Vertiefungskurse zu dem als „Studium Generale“ des Lehmbaus angelegten FKL zu entwickeln und anzubieten. Das wird allerdings zurzeit mit den beschränkten Ressourcen des DVL kaum zu verwirklichen sein. Dieser Vorschlag wird aber vom Fachbeirat für die Umsetzung der FKL-Evaluierungsempfehlungen in seiner Arbeit mit aufgenommen.
    Es soll weiterhin versucht werden, nachfrageorientiert neue Module zu besonderen Themen im Lehmbau an den bewährten Aus- und Weiterbildungszentren oder auf den Baustellen von Mitgliedern des Verbandes anzubieten. Dabei könnte auch eine Art „Fachkraft Lehmbau Exkursion“ zu verschiedenen Projekten geplant werden.

    Durch die längere Mittagspause verschob sich dann das Programm etwas. Aber schon während des Vortrages von Christof Ziegert über den Entwurf für ein Technisches Merkblatt zu Lehmputzen und deren Bedeutung und Auswirkungen auf die Praxis der Lehmbau Handwerker wurden die Kaffeetassen gefüllt und die Kuchenteller langsam geleert. Alle Teilnehmer erhielten eine Kopie des vorläufig endgültigen Entwurfs des Technischen Merkblattes. Die Erarbeitung von Technischen Merkblättern wird grundsätzlich begrüßt. Die rege Diskussion über die vorgestellten Inhalte endete in der zum Ausdruck gebrachten Bereitschaft der Absolventen, die Offenlegungsfrist des TM zu nutzen, um ihrerseits Anmerkungen und Hinweise dazu an das Geschäftsführende Sekretariat zu schicken.

    Im Rahmen dieser Gespräche erfolgte dann auch ein Feedback der Absolventen über ihre aktuellen Probleme bei der Existenzgründung als Lehmbaufachbetrieb. Georg Hofer beschrieb seine Probleme mit der örtlichen HWK bezüglich des von ihm ausgeführten Leistungsspektrums. Angrenzende Gewerke, wie herkömmliches Putzen oder Mauerwerkssanierung, sowie Dämmarbeiten sind nur in geringem Umfang möglich. Eine genaue, nachlesbare Regelung gibt es nicht. Das ist eine Ermessensfrage der jeweils zuständigen Bearbeiter an den HWK. Diese Erfahrungen wurden bisher auch durch andere Kursteilnehmer bestätigt. Leider werden solche Fälle von den HWK sehr unterschiedlich gehandhabt, vor allem, wenn es zu einem Streitfall kommt, d.h., wenn eine Anzeige gegen das Unternehmen von Mitbewerbern vorliegt. Hier ist der DVL gefragt, ein einheitliches Leistungsbild des Lehmbauers, insbesondere der FKL-Absolventen zu erarbeiten. Auch das kann im Rahmen der Umsetzung der Evaluierungsempfehlungen geschehen, die u.a. auch die Benennung eines Lernzieles für die FKL-Weiterbildung beinhalten.

    Dann entführte Hannah Schreckenbach die Teilnehmer ins ferne Ghana in Westafrika und zeigte aus ihrem Archiv eine Serie von Dias über das Putzen und Dekorieren von Lehmbauten im Norden Ghanas bei den unterschiedlichen Ethnien. Teilweise waren dabei Aufnahmen aus den Anfangsjahren ihrer 22-jährigen Tätigkeit in den frühen Sechuigern des vergangenen Jhrhunderts in Ghana, die man heute als historisch bezeichnen kann. Das Verputzen der Wände und Stampfen der Lehmfußböden, sowie Verzieren der Wandoberflächen war schon immer Frauenarbeit im Norden Ghanas. Hannahs Bilder sind farbige Zeugnisse einer (fast) schon verloren gegangenen Volkskunst, die den heutigen Alltagsanforderungen und dem täglichen Überlebenskampf der Subsistenzbauern in der Savanne Ghanas zum Opfer fallen, wie so vieles Andere auch.

    Ein recht lustiger Abend im Goethezimmer des „Restaurants Residenz“ am Schloß beendete den Tag mit Abendessen, viel Köstritzer Schwarzbier, anderem Gebrauten und lustigen Gesprächen miteinander und auch mit der anwesenden Weiblichkeit an der Bar, wo die armen Raucher unter den Teilnehmern endlich ihre Glimmstengel anzünden konnten (nicht mehr lange!).

    Es war ein sehr schönes und für uns alle auch recht bereicherndes Treffen. Und es ist so wichtig, dass ein reger Erfahrungsaustausch mit den FKL-Absolventen stattfindet. So freuen wir uns alle schon wieder auf ein gesundes Wiedersehen im Dezember dieses Jahres.

    Hannah Schreckenbach, 7. Januar 2008.

 

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