»Artefact« Verein, Glücksburg

»Artefact« Verein, Glücksburg

D-24960 Glücksburg, 1989-95

Als Zentrum für Energie, angepasste Technik und internationale Entwicklung benötigte der Betreiberverein »artefact« eine Gesamtanlage das der Demonstration, der Schulung und des Austausches von angepasster Technik dient. Entsprechend der international ausgerichteten Vereinszielsetzung wurden Bauformen und Konstruktionen entworfen, die sowohl in nördlichen Breiten wie auch in südlichen, meist holzarmen Ländern angewendet werden können.

Die Bauerstellung erfolgte im Rahmen mehrerer ABM-, Weiterbildungs- und Jugend- Qualifizierungsmaßnahmen – es wurde direkt am Bau gelernt, auch unter Einbeziehung von Fachleuten aus Entwicklungsländern. Im Verlauf vom sechs Jahren entstand so ein Ensemble verschiedener Baukörper aus rechteckiger und runder Baukörper orientiert an zwei Achsen. Begonnen wurde mit zwei konventionellen Scheunen und einer Pultdachhalle für Büro, Technik und Werkstatt, die bewusst Bezug nehmen auf die ländlichen Bauten der Umgebung. In weiteren Bauabschnitten folgten der auf einen Punkt zentrierte Gästetrakt mit vier nubischen Gewölben, ein Hauptgebäude im Zentrum der Anlage als Tagesraum in Ständerbauweise, und schließlich ein Wohntrakt als Kuppelanlage. Für jedes Teilgebäude wurde eine spezifische und identitätsfördernde Außenansicht und Innenatmosphäre erzielt z. B. die neutrale Zweckgebundenheit von Werkstatt und Büros, oder die überwölbten Räume die ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.

Das Ensemble wurde einerseits als massiver Lehmbau (Kuppeln und Gewölbe) und andererseits als Holzskelettbau mit Holzleichtlehm Füllung gebaut. Die Wiederholung der Bauformen und Konstruktion bei Bögen, Kuppeln und Gewölben erstatten dass die handwerklich nicht einfachen Überwölbungen wiederholt geübt werden konnten.

Die Kuppeln des Wohntrakts entsprechen sowohl europäischer Tradition, als auch auch jüngeren indischen und afrikanischen Beispielen. Die Kuppeln wurden über vier Bögen des quadratischen Grundrisses auf vier Pfeilen gemauert. Die Hängepartie zwischen dem Fußpunkt des Bogens und seinem Scheitel wurden um den Kreismittelpunkt der Vierung gemauert. Die erste kreisrunde Schicht, die „Tonsurschicht“, wird als Ringankerschicht in Zementmörtel (2 Ø 10 Rundstahl) ausgeführt. Das nachfolgende Schließen der eigentlichen Kuppelspitze mit Lehmsteinen und -mörtel geschah danach freitragend.

Die zweigeschossigen Gewölbe des Gästetrakts erscheinen nach der Konstruktion der nubischen Gewölbe so, wie sie Hassan Fathy in Ägypten vorgeführt hat. Die sich tütenartig auf einen Punkt verjüngenden Gewölbe sind bis in eine Höhe von etwa 1,80 m als 24 cm starke schichtweise vorkragende und gebogene Wandschale gemauert. Darauf wurde das eigentliche geneigte Gewölbe Schicht für Schicht aufgemauert aus 11,5 cm Lehmsteinen. Eine Schalung ist wegen der Neigung der Schichten und der Klebefähigkeit des Lehmmörtels nicht erforderlich.

Das Gebäude wird durch eine Kombination von Solaranlage und Kraftwärmekopplung beheizt und mit Energie versorgt.

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