DIN Normen für Lehmbaustoffe

Seit August 2013 gibt es erstmals wieder seit 1971 verbindliche Normen für den Lehmbau in Deutschland. Sie gelten für werksmäßig hergestellte Lehmsteine, Lehmmauermörtel und Lehmputzmörtel. Der Lehmbau ist somit vollständig und unumkehrbar in die Struktur des heutigen Baugewerbes integriert.

Folgenden nationale Normen für im Werk hergestellte Lehmbaustoffe sind veröffentlicht worden:

DIN 18945 : Lehmsteine – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren Link
Diese Norm legt die Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren für im Werk hergestellte Lehmsteine fest. So produzierte Lehmsteine werden vorwiegend beim Bau von Außen- und Innenwänden sowie für Ausfachungen verwendet. Für die Anwendung gelten die Lehmbau-Regeln. Diese Norm gilt nicht für stabilisierte Lehmsteine.
DIN 18946 : Lehmmauermörtel – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren Link
Diese Norm legt die Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren für im Werk hergestellte Lehmmauermörtel (Lehmwerkmörtel) für die Errichtung von tragendem und nichttragendem Lehmsteinmauerwerk fest. Für die Anwendung von Lehmmauermörtel gelten die Lehmbau-Regeln. Diese Norm gilt nicht für stabilisierte Lehmmauermörtel und ebenfalls nicht für Lehmbaustellenmörtel.
DIN 18947 : Lehmputzmörtel – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren Link
Diese Norm legt die Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren für im Werk hergestellte Lehmputzmörtel (Lehmwerkmörtel) zum Verputzen von Wänden und Decken im Innen- und witterungsgeschützten Außenbereich fest. Lehmputzmörtel können im Außenbereich unter Umständen auch als Unterputz von witterungsbeständigem Oberputz eingesetzt werden. Die Norm gilt für Lehmputzmörtel mit Auftragsdicken von mindestens 3 mm; sie gilt nicht für Lehmdünnlagenbeschichtungen mit Auftragsdicken von weniger als 3 mm Dicke. Für die Anwendung von Lehmputzmörtel gelten die Lehmbau-Regeln sowie das Technische Merkblatt TM01 des Dachverbandes Lehm e.V. Diese Norm gilt nicht für stabilisierte Lehmputzmörtel. Sie gilt ebenfalls nicht für Lehmbaustellenmörtel.

Die Normen sind über den Beuth-Verlag kostenpflichtig bestellbar.

Die ursprünglich für Anfang 2015 vorgesehene bauaufsichtliche Einführung der die Standsicherheit von Bauwerken betreffenden Teile der DIN 18945 und DIN 18946 in die Bauregelliste A, Teil 1, durch das Deutsche Institut für Bautechnik, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für nicht genormte und auf der Baustelle hergestellte Lehmbaustoffe gelten weiterhin die 1998 erstmals veröffentlichten Lehmbau Regeln.

Die Technischen Merkblätter TM 02 – 04 wurden mit Veröffentlichung der Normen ersatzlos zurückgezogen. Das TM 01 Lehmputze wurde aktualisiert und der nun durch die DIN 18947 abgedeckte Teil gestrichen. Das TM 06 Lehmdünnlagenbeschichtungen legt nun erstmals Begriffe und Anforderungen für Lehmfarbputze, Lehmspachtelmassen sowie Lehmfarben fest.

Gegenüber den Qualitätsanforderungen der Lehmbau Regeln und den Technischen Merkblättern Lehmbau ergeben sich erhebliche Änderungen in den zu prüfenden und zu deklarierenden Eigenschaften. Der Dachverband Lehm e.V. veranstaltet hierzu Seminare für Hersteller und Anwender.

Lehmputze nach DIN 18947 sind nun Bestandteil der allgemeinen Putzanwendungsnorm DIN 18550-2:2015-06 Planung, Zubereitung und Ausführung von Innen- und Außenputzen – Teil 2: Ergänzende Festlegungen zu DIN EN 13914-2 für Innenputze. Darin werden Lehmputze nun erstmals selbstverständlich mit den anderen Putzarten aufgeführt. Die vom DIBt verfügte allgemeine Anwendungsbeschränkung für Lehmbaustoffe auf Gebäude mit nicht mehr als zwei Wohneinheiten und nicht mehr als zwei Vollgeschossen soll damit nun für den Bereich Lehmputze aufgehoben werden.