DVL Lehmbaupreis 2020

In diesem Jahr lobte der Dachverband Lehm e.V. (DVL) zum zweiten Mal den DVL Lehmbaupreis aus. Er wird alle vier Jahre im Rahmen unserer internationalen Tagung LEHM verliehen. Leider konnte sowohl die Lehmbautagung als auch die Preisverleihung in diesem Jahr durch Corona bedingt nicht in Präsenz stattfinden. Das bedauern wir sehr. Wir möchten dem Anliegen des DVL Lehmbaupreises dennoch gerecht werden und daher die ausgewählten Preisträgerinnen und Preisträger online bekannt geben und Ihnen virtuell gratulieren.

Mit dem Preis soll ein Beitrag zur besseren Wahrnehmung und Anerkennung des Lehmbaus im Bereich der akademischen Bildung geleistet werden. Der Preis würdigt Abschlussarbeiten in herausragender Qualität, die sich durch fundierte Kenntnisse im Lehmbau sowie durch wegweisende und originelle Lösungen in den Bereichen Entwurf, Konstruktion, Forschung und Entwicklung auszeichnen.

Die Abschlussarbeiten können folgende Themenschwerpunkte des Lehmbaus umfassen:

  • Regelwerke,
  • Forschung (z.B. Materialentwicklung und -prüfung),
  • Aus- und Weiterbildung,
  • Nachhaltigkeit,
  • Entwurfslösungen (Moderner / Traditioneller Lehmbau).

Die Teilnehmer konnten sich mit einer erfolgreich abgeschlossenen Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeit oder einer Promotion in deutscher oder englischer Sprache, deren Abschluss zur Preisverleihung im November 2020 maximal drei Jahre zurückliegt bewerben.

Preisverleihung

Die Preisverleihung erfolgte online in Anwesenheit der Vorstandsmitglieder Constanze Küsel, Uli Röhlen, Christof Ziegert sowie den Preisträgern Maximilian Brinkmann, Rosie Paul und Liam Owen Winckler.

Preisträger

Für den DVL Lehmbaupreis 2020 haben sich insgesamt neun Hochschulabsolventen aus Deutschland, der Schweiz und Indien beworben. Die sehr gute Qualität der eingereichten Arbeiten hat uns veranlasst, einen Sonderpreis sowie einen ersten und zweiten Preis zu verleihen. Prämiert wurden Arbeiten zur Nachhaltigkeit und zur Forschung, hier insbesondere zum Tragverhalten von Lehmbaustoffen für den Massivbau.

1. Preis – Liam Owen Winckler

Liam Winckler, 1. Preis, DVL Lehmbaupreis 2020
Liam Winckler, 1. Preis, DVL Lehmbaupreis 2020

Der erste Preis, dotiert mit 500 Euro, geht an Herrn Liam Owen Winckler für seine Masterarbeit mit dem Titel „Bauen mit Erde – Herstellungsspezifische und zusammensetzungsabhängige Einflüsse auf die Druckfestigkeit von Stampflehm“.

Begründung der Jury:

Herr Winckler widmete sich in seiner Masterarbeit einem wichtigen Thema: Der bisher unzureichend erforschten Thematik der Bemessung von Stampflehmkonstruktionen unter Berücksichtigung aller relevanten Einflussfaktoren und einer daraus resultierenden Neubewertung und Überarbeitung des derzeit für die Bemessung zu nutzenden Sicherheitskonzeptes zu Teilsicherheitsbeiwerten gemäß Eurocode. Die vorliegende Arbeit kann einen entscheidenden Beitrag zur Optimierung von Bemessungsverfahren von Stampflehmbauteilen leisten. Ein wissenschaftliches Themenfeld, auf dem noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.

Das hohe Niveau der eingereichten Arbeit wurde auch durch seinen Erstprüfer als hervorragende Leistung eingeschätzt, wie dem Empfehlungsschreiben Prof. Dr.-Ing. Ludger Lohaus, der Universität Hannover, Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie, zu entnehmen ist:

„Seine Arbeit leistet einen ganz wesentlichen Beitrag zur Planung und Bemessung tragender Stampflehmelemente. Herr Winckler zeigt darin einen Weg auf, wie die bislang empirisch basierte Bemessung von Bauteilen in Stampflehmtechnik in das semiprobabilistische Teilsicherheitskonzept der Eurocodes überführt werden kann. […] Die Ergebnisse wurden neben den äußerst anspruchsvollen probabilistischen Auswertungen zum Vorschlag konkreter Teilsicherheitsbeiwerte auch in einen gut begründeten Ablaufplan zur Sicherstellung einer Mindestruckfestigkeit zusammengeführt. In Kombination mit seiner Seminararbeit kann die hier empfohlene Masterarbeit von Herrn Winckler bereits als Entwurf eines verbesserten Verfahrens für Zustimmungen im Einzelfall (ZiE) für tragende Stampflehmbauten verstanden werden. Damit hat Herr Winkler die Bauweise Stampflehm entscheidend und in herausragender Weise gefördert und bereits Grundlagen für eine mögliche Normung erarbeitet.“

2. Preis – Maximilian Brinkmann

Maximilian Brinkmann, 2. Preis, DVL Lehmbaupreis 2020
Maximilian Brinkmann, 2. Preis, DVL Lehmbaupreis 2020

Der zweiter Preis, dotiert mit 500 Euro, geht an Maximilian Brinkmann für seine Masterarbeit mit dem Titel „Tragverhalten unbewehrten Lehmmauerwerks unter Druckbeanspruchung“.

Begründung der Jury:

Die Arbeit beschäftigt sich auf hohem akademischen Niveau mit einer der drängendsten Problemstellungen im modernen Lehmbau: Der praxisnahen Optimierung der Bemessungsverfahren im Fall der lastabtragenden Anwendung des Lehmsteinmauerwerks in Deutschland. Diese Relevanz sieht auch der betreuende Professor Herr Prof. Dr.-lng. C.-A. Graubner vom lnstitut für Massivbau der TU Darmstadt, aus dessen Empfehlung wir hier gern zitieren:

„Aus meiner Sicht liefert die genannte Arbeit exzellente theoretische Ausarbeitungen zu dem Materialverhalten und der Tragfähigkeit unbewehrten Lehmmauerwerks. […] Durch die Gegenüberstellung der Ergebnisse mit den aktuellen Bemessungsvorschriften für unbewehrtes Mauerwerk besitzt die Arbeit eine hohe Praxisrelevanz und leistet sowohl zur Entwicklung eines konsistenten Bemessungsverfahrens auf Basis des Teilsicherheitskonzepts als auch zur lntegration von Lehmmauerwerk in die Mauerwerksnorm DIN EN 1996 einen wichtigen Beitrag.“

Die vorgestellten Ergebnisse können einen signifikanten Beitrag zur Überwindung der noch vorhandenen Hindernisse für eine praxistaugliche Bemessungsgrundlage für lastabtragendes Lehmsteinmauerwerk leisten.

Sonderpreis – Rosie Paul

Rosie Paul, Sonderpreis, DVL Lehmbaupreis 2020
Rosie Paul, Sonderpreis, DVL Lehmbaupreis 2020

Der Sonderpreis, dotiert mit 500 Euro, geht an Rosie Paul für ihre Dissertation mit dem Titel „Untersuchungen zu traditionellen Stabilisatoren in Lehmputzen in Kerala“.

Begründung der Jury:

Ausgehend vom kulturellen Hintergrund der Region Kerala basiert die Dissertation auf einer umfassenden Recherche und Analyse der traditionell verwendeten natürlichen Zusätze zur Stabilisierung von Lehmputzen in der vernakularen Architektur der Region. Dabei zeigt die Autorin das Potenzial und die Bedeutung der über Jahrhunderte entwickelten Nutzung natürlicher Ressourcen für das ökologische Bauen, hier speziell im Lehmbau. Anschließend schlägt sie die Brücke zur globalen Perspektive, namentlich den „Globalen Zielen der Nachhaltigen Entwicklung“ der UN von 2016 (veröffentlicht in: The Sustainable Development Goals Report, 2016, New York: United Nations Publications, 2016) und verweist auf die Aktualität und Notwendigkeit der Rückbesinnung auf die natürlichen Ressourcen in einer angemessenen und angepassten Weise.

Im Anschluss daran entwickelte sie ein praxisnahes Versuchsprogramm zur wissenschaftlichen Untersuchung und Ermittlung von spezifischen Eigenschaften dieser natürlichen Rezepturen im Lehmbau und führte dies erfolgreich durch. Im Ergebnis ihrer Arbeit zeigt sie, wie gefährdet das Wissen um die natürlichen Baustoffe und wie wichtig daher die Rückbesinnung auf die vernakularen Bauweisen ist. Dazu können ihre Dissertation und ihre weitere Arbeit auf dem Gebiet beitragen. Wir möchten diesen Beitrag unterstützen und mit unserer Verleihung eines Sonderpreises stärker in die Öffentlichkeit rücken.

Alle Preisträger erhalten für ein Jahr die kostenfreie Mitgliedschaft im DVL.